Kind mit Mundschutz und Eiscreme

CF, Corona und Zusammenhalt: Familienzeit während der Pandemie

Bereits vor einem halben Jahr haben wir mit Anna und Thorsten, Eltern von Marlon (5), gesprochen. Damals schilderten sie uns, was ihnen beim Kindergarteneintritt ihres Sohnes besonders wichtig war und wie sie sich auf den Schulstart vorbereiten. Die Corona-Pandemie hat nun alles durcheinandergewirbelt. Ende April 2020 haben die Beiden uns in einem zweiten Interview erzählt, wie ihr neuer Alltag mit der Infektionsgefahr aussieht.

Zum Zeitpunkt des Interviews sind beide Elternteile schon seit einigen Wochen im Homeoffice. Die Kinder bleiben ebenfalls zuhause, da sowohl Schule als auch Kindergarten geschlossen sind. Marlon ist der jüngste von drei Geschwistern. Ob seine Einschulung wie geplant im August stattfinden wird, ist zu diesem Zeitpunkt noch vollkommen offen. „Das ist der allgemeine Wahnsinn, der wahrscheinlich gerade alle Familien betrifft“, sagt Mutter Anna. Das Interview mit der Familie zur Vorbereitung auf den Kindergarteneintritt von Marlon findet ihr übrigens hier.

„Wenn ich allein an den Umgang mit Marlons Mukoviszidose denke, hat sich unser Alltag zuhause kaum geändert“, fährt sie fort. Seine Verdauungsenzyme nimmt Marlon weiter, genauso wie er selbstständig inhaliert – allerdings zuhause und nicht im Kindergarten. Nur seine Physiotherapeutin sieht Marlon wegen des Coronavirus derzeit ausschließlich digital. Aus diesem Grund macht er die Übungen nun selbstständig, während Mutter Anna das Tablet hält. Sie sagt: „Solange es Marlon so gut geht wie gerade, reicht die angeleitete Physiotherapie vollkommen aus. Am Tablet funktioniert das auch sehr gut.“

Wir gehen vorsichtig mit der Corona-Pandemie um. Aber wir schließen uns nicht ein. Anna, Marlons Mutter

Marlons Familie hat in Corona-Zeiten zwei Regeln für sich festgelegt: Abstand halten und noch häufiger Hände waschen als sonst. Wegen der Cystischen Fibrose von Marlon waschen sich die Geschwister sowieso schon immer die Hände, wenn sie von draußen ins Haus kommen. „Ich habe nun zusätzlich noch eingeführt, dass sie beim Hände waschen zwei Mal hintereinander Happy Birthday singen“, sagt Anna. So halten die Kinder auf jeden Fall die empfohlene Dauer von 20 bis 30 Sekunden ein.[1]

„Außerdem desinfizieren wir nun auch Türgriffe, das Handy und das Lenkrad – also Gegenstände, die man häufig anfasst, ohne groß darüber nachzudenken“, sagt Marlons Vater Thorsten. Geputzt werde das Haus aber wie früher. Handdesinfektionsmittel für den täglichen Gebrauch steht lediglich neben dem Vaporisator, mit dem die Familie Marlons Inhalationszubehör reinigt [2] – das stand dort allerdings auch schon vor COVID-19.

„Marlon hat gelacht, als wir alle zum ersten Mal einen Mundschutz getragen haben. Er kennt das schon seit Jahren aus seiner CF-Ambulanz“, sagt Anna. Die CF-Ambulanz des Uniklinikums, in der Marlon betreut wird, ist mittlerweile wieder für reguläre Untersuchungen geöffnet. Marlons nächste Dreimonatsvisite soll bald stattfinden – allerdings etwas anders organisiert als noch vor dem Coronavirus. Geplant ist unter anderem, dass unterschiedliche Angebote wie etwa Ernährungsberatung und Physiotherapie in einem einzelnen Behandlungszimmer stattfinden – damit Betroffene sich so nicht mehr beim Raumwechsel auf dem Flur begegnen können.

Die Corona-Pandemie ist wahrscheinlich für alle eine große psychische Belastung. Für uns Muko-Betroffene kommt noch eine Schippe drauf. Anna, Marlons Mutter

Seit Beginn der Corona-Pandemie haben Marlons Eltern zahlreiche risikoarme Alternativen für ihren bisherigen Alltag gefunden. So probieren sie etwa einen Lebensmittelwagen aus. Von den Nachbarn organisiert liefert er während der Corona-Krise die Einkäufe einmal wöchentlich bis an die Haustür. Und auch der Bewegungsradius der Kinder hat sich verkleinert, um das Risiko zu reduzieren. Die meiste Zeit verbringen sie entweder zuhause oder im eigenen Garten. Nur, wenn ihre Eltern nicht arbeiten müssen, unternehmen sie gemeinsam Ausflüge oder Spaziergänge in die nähere Umgebung, etwa zum nächsten Eisladen.

Damit die Geschwister trotzdem nichts vermissen, haben ihre Eltern ein Tageshighlight eingeführt. „Wir probieren einfach neue Sachen aus, die im Haus oder im Garten stattfinden können“, sagt Thorsten. „Einmal haben wir im Garten gezeltet und ein Lagerfeuer in unserer Feuerschale gemacht.“ Ein anderes Mal gab es eine Wasserbombenschlacht in der Frühlingssonne.

Wie lange diese „Familienquarantäne“ Bestand haben wird, ist ungewiss. Sobald es weitere Lockerungen gibt und die Schulen wieder öffnen, werden sich auch die Eltern von Marlon überlegen, wie die Familie zurück in einen neuen Alltag finden kann. „Wenn die älteren Geschwister von Marlon wieder zurück in die Schule gehen können, werde ich wegen der Infektionsgefahr wohl ein Schreiben an die Schule schicken, dass wir hier ein Kind in einer Risikogruppe haben und das Einhalten der Hygieneregeln dort für uns daher besonders wichtig ist“, sagt Mutter Anna. „Ein komisches Bauchgefühl habe ich schon.“

Denn obwohl sich in Punkto Hygiene und Therapie der Mukoviszidose nicht viel geändert hat, bleibt das Virus eine Gefahr, die den Alltag der Familie noch komplexer macht. „Wir wissen ja selber nicht, wie es weitergeht. Aber wir machen das Beste daraus“, so Anna.

 

 

Corona und Mukoviszidose: Hier gibt es Informationen

Unser Artikel COVID-19 und CF: Antworten auf wichtige Fragen fasst verschiedene deutsche Websites zusammen, die Informationen zu Corona-Infektionen für Menschen mit Mukoviszidose sammeln.

 

Quellennachweise

[1] Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Hände waschen. Online verfügbar unter: https://www.infektionsschutz.de/haendewaschen.html#c6357 – zuletzt aufgerufen am 11.05.2020.

[2] DCFH. Deutsche CF-Hilfe. Desinfektion von Inhalationsteilen. Online verfügbar unter: https://www.dcfh.de/desinfizieren-von-inhalationsteilen/ – zuletzt aufgerufen am 11.05.2020.