Läuferin mit CF

Bewegung bei CF: Die Sportart, die zu mir passt

Wer sich regelmäßig bewegt, tut seinem Körper etwas Gutes – das gilt auch bei Mukoviszidose. Je nachdem, wie es euch gesundheitlich geht, stehen euch wesentlich mehr Sportarten zur Auswahl, als ihr vielleicht glaubt. Von Boxen, Schwimmen und Joggen bis hin zu Yoga und Meditation könnt ihr vieles machen. Was ihr vor dem Start beachten solltet, erklären ein CF-Arzt und eine yogabegeisterte Betroffene.

„Die große Kunst ist es, die individuell richtige Sportart zu finden. Sie muss Spaß machen, zu den Vorerkrankungen passen und den Gesundheitszustand berücksichtigen“, sagt Prof. Dr. Helge Hebestreit, Leiter des Christiane Herzog-Zentrums für Mukoviszidose am Universitätsklinikum Würzburg. Wie bei Gesunden ist er auch bei Menschen mit Cystischer Fibrose grundsätzlich dafür, dass sie Sport treiben. Denn: „Sport hat eine ganze Reihe von positiven Effekten auf den Körper, die Psyche und das Wohlbefinden. Das ist bei Mukoviszidose nicht anders.“

Die positiven Auswirkungen von Sport und Bewegung kennt auch CF-Betroffene Leonie (30). Sie ist begeisterte Yogini und ausgebildete Lehrerin für Kundalini Yoga. „Yoga eignet sich, unter anderem wegen den vielen unterschiedlichen Atemtechniken, so gut für Menschen mit Mukoviszidose“, sagt Leonie. Die Yoga-typischen Bewegungen halten außerdem den Körper beweglich.

 

Über Leonie

Leonie ist Physiotherapeutin und seit 2016 ausgebildete Kundalini-Yogalehrerin. „Bei dieser Form des Yoga wird viel gesungen und geatmet. Unser Fokus liegt auch auf den Atemübungen, den Pranayama, und auf dem Mantra-Gesang. Bei den Bewegungen achten wir darauf, dass sie immer im Einklang mit dem Atem sind.“

Zusammen mit Johannes betreibt sie die Website mindfulmuko. Auch er hat Cystische Fibrose und erzählte uns in einem anderen Artikel bereits, welche Faktoren für ihn persönlich bei der Arztwahl wichtig sind. Auf mindfulmuko zeigen und erklären sie, was Yoga für den Körper und die Psyche von Mukoviszidose-Betroffenen tun kann – inklusive Videotrainings und Playlists.

Leonie

Leonie hat die positiven Auswirkungen von Sport und Bewegung auf ihre CF am eigenen Körper erfahren.

Die richtige Sportart – für alle Vorlieben und Krankheitsstadien

Bei körperlicher Aktivität gilt: alles kann, nichts muss. Wenn ihr schon immer Joggen gehen wolltet, dann probiert es aus. „Beim Ausdauertraining mit Cystischer Fibrose wirkt Sport auf mehrfache Art: erstens fördert der Sport eine vertiefte Atmung und zweitens lösen die Erschütterungen den Schleim in der Lunge. Der Sekrettransport wird weiterhin durch eine Veränderung in den Salzkanälen der Atemwegsschleimhaut begünstigt“, sagt Prof. Hebestreit. Krafttraining – wie etwa Boxen oder Gewichte heben – hat einen ähnlich positiven Effekt auf die Lungenfunktion. „Warum das so ist, ist bisher noch unklar“, so Prof. Hebestreit.

„Aber auch Meditation kann Sport sein“, sagt Leonie. Während ihrer Yoga-Lehrerausbildung gab es Tage, an denen ihre Lungenfunktion stark abfiel und sie Atemnot hatte. „Ich saß dann einfach da und habe mir die Übungen vorgestellt. Wenn ich daheim bin und meine Bewegungen nicht durchführen kann, singe ich meine Mantras, so gut es eben geht. Und ich sehe meine täglichen Inhalationen als Meditation“, erzählt sie.

 

Wenn man zu lange darüber nachdenkt, wird das Anfangen schwierig. Man muss es einfach machen. Leonie
Einfache Yoga-Übungen zum Nachmachen

Die Grundschritte: 1: Mit beiden Beinen fest auf eine gerade Oberfläche stellen, Füße nebeneinander. Ganz bewusst tief ein- und ausatmen. 2: Verwurzelt euch mit einem Bein fest im Boden, auf das ihr auch euer Gewicht legt. Dann den Fuß des anderen Beins vom Boden lösen und an die Innenseite des Standbeins legen. 3: Arme zunächst seitlich ausstrecken. Dann leicht angewinkelt nach oben strecken, die Hände aneinanderlegen. 4: Haltet die Position etwa 20 Sekunden. Dabei weiter bewusst und tief atmen. Dann mit dem anderen Bein wiederholen.

Der Baum: Vrikshasana

Der Baum kann in unterschiedlichen Varianten durchgeführt werden:

  1. Urdhva Vrksasana: Bei dieser Position bleiben eure Beine fest auf dem Boden, die Hände streckt ihr gerade Richtung Himmel. Macht euch dabei so lang, wie es euch gefällt. Besonders schön, um eure Verbindung mit der Erde zu spüren.
  2. Ardha Padmasana Vrksasana: Hier legt ihr euer Bein auf das Standbein und legt die Hände vor der Brust zusammen. Ihr könnt das Standbein zusätzlich anwinkeln und euch leicht nach vorne beugen.
  3. Kasyapasana: Eine Art gekippter Baum: Die Beinposition bleibt dieselbe wie bei Ardha Padmasana Vrksasana. Allerdings balanciert ihr dabei seitlich auf einem Fuß, eine Hand fest auf dem Boden.

Leonies liebste Atemübung

„Wenn sich der Atem beruhigt, beruhigt sich auch der Geist – gerade bei Emotionen wie Wut, Angst oder Stress. Im Kundalini Yoga verbinden wir deshalb alle körperlichen Übungen mit langem, tiefem Atmen. Und, um unseren Geist zu beschäftigen oder davon abzuhalten Negatives zu denken, folgen wir dem Mantra Sat Nam: Wir denken beim Einatmen „Sat“ und beim Ausatmen „Nam“. Sat Nam bedeutet so viel wie „Wahres Selbst“ oder „Wahrheit ist mein Name“.  

Sat Nam lässt sich ganz einfach in den Alltag einbauen, um eben negative Gefühle in den Griff zu bekommen: im Warteraum oder an der Bushaltestelle. Als Gang-Meditation lässt sich Sat Nam ebenfalls einsetzen. Beim Aufsetzen des linken Fußes „Sat“ denken, beim Aufsetzen des rechten Fuß „Nam“. 

Aber eigentlich kann ich Yoga überall anwenden. Das Leben ist Yoga. Es geht darum, Tätigkeiten bewusst durchzuführen und bei sich selbst zu sein – nicht immer im Außen oder im Vergleich. Das kann auch beim Geschirr abwaschen sein.“

Das Schöne an Yoga ist: Fast jeder kann die Sportart praktizieren. Manch andere Sportarten solltet ihr aber lieber meiden. „Von Flaschen- oder Apnoe-Tauchen rate ich eher ab. Normales Schwimmen ist dagegen meistens kein Problem“, sagt Prof. Hebestreit. „Auch Fallschirmspringen oder Bungee-Jumping sind nicht gut bei Mukoviszidose.“ Und wenn ihr euch für Boxen oder eine ähnliche Sportart interessiert, dann lieber als Ganzkörpertraining – und nicht als Wettkampfsport, wie Prof. Hebestreit rät, da Schläge auf den Brustkorb oder in den Bauch zu Organverletzungen führen können.

 

Prof. Hebestreits Sport-Checkliste

„Menschen mit CF sollten sich nicht sagen: 'Das wird schon'“, erklärt Prof. Hebestreit. Er empfiehlt, das Thema Bewegung mit der CF-Ärztin oder dem CF-Arzt zu besprechen. Diese Faktoren solltet ihr beachten:

  1. Welche Vorerkrankungen habe ich? Etwa schwache Knochen, Diabetes oder eine vergrößerte Milz? Wenn ja, sind Sportarten mit starken Krafteinwirkungen oder etwa Marathon eher ungeeignet. Neben dem ärztlichen Check kann eine Belastungsuntersuchung Klarheit über noch unbekannte Risiken schaffen. Je nachdem sind mache Sportarten geeigneter als andere.
  2. Weiß ich, wie ich richtig atme? Gerade bei Interesse an Krafttraining empfiehlt Prof. Hebestreit, Atemtechniken bei einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten zu erlernen. Denn: „Tief Luft holen, Luft anhalten und dann mit maximaler Kraft drücken ist der falsche Ansatz. Bei solchen Übungen kommt es aufgrund der falschen Atemtechnik am ehesten zu Problemen.“
  3. Sind die Übungen geeignet für mich? Sport-Apps, die etwa ausschließlich Übungen für einen Sixpack vormachen, sind nicht speziell für Mukoviszidose-Patienten entwickelt worden. Besser geeignet ist etwa eine mit der eigenen CF-Ärztin bzw. dem eigenen CF-Arzt entwickelte medizinische Trainingstherapie. Aber: „Im günstigsten Fall macht der Sport einfach Spaß, die eigenen Freunde können sich dafür auch begeistern und es fühlt sich nicht an wie Reha-Sport“, wie Prof. Hebestreit betont. Eine spezielle Überwachung oder Anleitung brauchen Mukoviszidose-Patientinnen und -Patienten nämlich in aller Regel nicht.
  4. Habe ich meinen Nährstoffbedarf im Blick? Über den Schweiß verlieren Menschen mit CF mehr Salz als gesunde Menschen – bei einem grundsätzlich reduzierten Durstempfinden. Dadurch merkt der Körper nicht, dass er austrocknet. Deshalb empfiehlt Prof. Hebestreit, bei längeren sportlichen Aktivitäten Getränke mit besonders hohem Salzgehalt zu sich zu nehmen. Oder sie selbst zu mischen: Etwa zwei Drittel Liter Wasser und ein Drittel Liter Apfelsaft mischen und fünf Gramm Salz zugeben.

Bei weiteren Fragen zum Thema habt ihr auch die Möglichkeit, euch an die sportwissenschaftliche Beratung des Mukoviszidose e.V. zu wenden.