Physiotherapeutin und Betroffener bei Übung

Am besten maßgeschneidert: Physiotherapie bei Mukoviszidose

Physiotherapie ist ein elementarer Bestandteil jeder Mukoviszidose-Therapie. Physiotherapeutin Stephanie Hentschel erklärt, warum Physiotherapie und sportliche Betätigung so wichtig sind – und wie man sich dazu motivieren kann. 

Eine Mukoviszidose-Therapie ist umfangreich: Regelmäßige Arztbesuche und die genau abgestimmte Einnahme von Medikamenten gehören genauso dazu wie viel Bewegung und Sport. Aber auch Ruhephasen für den Körper sind wichtig – und Physiotherapie. Tatsächlich kann gerade die Physiotherapie viel bewirken. 

„Für CF-Betroffene sind Physiotherapiestunden enorm hilfreich“, sagt die Physiotherapeutin Stephanie Hentschel. Sie arbeitet am iSPZ Hauner des LMU Klinikums in München mit vielen Mukoviszidose-Patienten zusammen und hat jahrelange Erfahrung in diesem Bereich. 
 

Physiotherapie und Sport erhalten und verbessern den Gesundheitszustand der Betroffenen, fördern außerdem ihre Kondition und gesamte Fitness und führen so zu einem besseren Allgemeinbefinden. Stephanie Hentschel
Warum ist Physiotherapie bei Mukoviszidose so wichtig?

Bei Menschen mit CF ist der Schleim, der die Atemwege auskleidet, verdickt. Die tägliche Physiotherapie hilft, diesen Schleim zu lösen und abzutransportieren. Zudem wirkt sie sich positiv auf Kraft, Ausdauer und Koordination aus, stärkt das Herz-Kreislauf-System und steigert das psychische Wohlbefinden. 

Neben Atemtechniken stehen bei der Physiotherapie auch Bewegung – in Form von Ausdauer- und Krafttraining – sowie Entspannungstechniken im Fokus. Diese können dazu beitragen den Krankheitsverlauf zu verlangsamen, Krankenhausbesuche zu verringern und Beschwerden zu lindern. 
 

Grundsätzlich lässt sich die Physiotherapie in passive und aktive Maßnahmen unterteilen: „Zu den passiven Maßnahmen gehören unter anderem manuelle Techniken und Wärmeanwendungen, die von den Therapeuten durchgeführt werden“, sagt Stephanie Hentschel. Aktive, unter Anleitung selbstständig durchgeführte Maßnahmen sind z.B. Atemtechniken, gymnastischen Übungen sowie Kraft- und Ausdauertraining.

Verschiedene Verbesserungen möglich

„Die Physiotherapie hat durch das große Spektrum an Behandlungsinhalten viele Möglichkeiten, das Wohlbefinden und die Gesundheit von Menschen mit Mukoviszidose zu erhalten und zu fördern“, sagt die Expertin.

Es können beispielsweise geschwächte Muskeln gekräftigt werden, eine verbesserte Lungenfunktion oder der Erhalt der Brustkorbbeweglichkeit erreicht werden. „Zudem hilft regelmäßige sportliche Betätigung eine für den eigenverantwortlichen Umgang mit dieser lebenslangen Krankheit notwendige Disziplin auszubilden“, erklärt Stephanie Hentschel. 

Therapie muss individuell zusammengestellt sein

Stephanie Hentschels Empfehlung: Ein individueller Behandlungsplan sollte unter Berücksichtigung der Lebensumstände der Betroffenen und unter Einbeziehung ihres sozialen Umfeldes erstellt werden.

Wichtig ist, dass die Therapie so zusammengestellt ist, dass Betroffene sie möglichst auch zu Hause eigenverantwortlich umzusetzen lernen: Vor allem die Übungen mit Atemtherapiegeräten sollten mit der Zeit selbstständig angewendet werden können.
 

Motivation erhalten? So geht‘s

Doch so sinnvoll und hilfreich eine Physiotherapie auch sein mag: Solch zeitintensive Therapien können dazu führen, dass man in ein Motivationsloch fällt und die Physiotherapie vernachlässigt. „Jeder ist mal weniger motiviert“, sagt Stephanie Hentschel, „das ist ganz normal.“ In solch einem Fall hat dann der Therapeut die Aufgabe, offen mit dem Patienten zu sprechen, um das vertrauensvolle Verhältnis zu stärken. „Andererseits können auf diesem Weg Ansatzpunkte gefunden werden, um die Therapiemotivation wieder zu steigern“, ergänzt sie. Auch Angehörige können gut unterstützen – nämlich indem sie den Alltag mit vielen gemeinsamen unterhaltsamen Aktivitäten gestalten.

Ein Trainingsprogramm in einer vom Patienten persönlich bevorzugten Sportart, sollte in Absprache mit dem behandelnden Arzt oder Physiotherapeuten erstellt und durchgeführt werden. Stephanie Hentschel

„Besonders bei Kindern und Jugendlichen ist auf die Förderung und den Erhalt an körperlicher Bewegung Wert zu legen", ergänzt sie. 

Spaß muss immer dabei sein!

Egal ob Fußball, Tanzen oder eine andere Mannschaftssportart – sportliche Vorlieben sollten unbedingt in der Therapie berücksichtigt werden. „Grundsätzlich macht ein Training in einem Verein oder einer Gruppe mehr Spaß und ist motivierender“, ergänzt Stephanie Hentschel.

Insgesamt lässt sich also sagen: Das wichtigste bei der Physiotherapie ist es, dranzubleiben und sich immer wieder zu motivieren – denn sie hilft enorm weiter, sowohl psychisch als auch physisch. 

Die neue CF Physio-App

CF Physio ist eine neue App von Vertex, die speziell auf die Physiotherapie-Bedürfnisse von CF-Betroffenen abgestimmt ist. Sie ist ein digitaler Trainings-Begleiter, bietet einen guten Überblick über Physiotherapie-Übungen und unterstützt auch bei deren korrekter Durchführung. 

Dabei gibt es Übungen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden und zu jedem Körperbereich. Alles kann individuell auf die persönlichen Bedürfnisse und den Behandlungsplan abgestimmt werden. Mehr Informationen zur App findet ihr auf cfsource.de.