Mädchen auf einem Pferd unter Regenbogen

Auf dem Rücken der Pferde: Tipps für Reiten als Hobby bei Mukoviszidose

Auf einem Pferd reiten und sich um das Tier kümmern zu dürfen: Das wünschen sich viele Reit-Begeisterte. Doch ein Pferd bringt auch viel Verantwortung und Arbeit mit sich. Können Mukoviszidose-Betroffene dieses schöne Hobby ebenfalls ausleben? Eine selbst betroffene Pferdetrainerin und ein CF-Experte erklären, wie es gehen kann und was beachtet werden muss.

Einfach das Pferd satteln, losreiten und durch die Natur traben – davon träumen viele pferdebegeisterte Menschen. Maria Schroeter ist eine von ihnen: „Ich bin von klein auf mit Pferden aufgewachsen und habe diese Tiere schon immer geliebt“, sagt sie, „und ich wollte daher auch immer unbedingt reiten.“  

Sie fing deswegen tatsächlich schon im Kindesalter mit dem Reiten an, durfte auf einem Reiterhof mithelfen und lernte dort alles, was es über Pferde zu wissen gibt. Sie lernte, mit Pferden umzugehen, sie zu pflegen, mit ihnen zu trainieren, sie zu reiten und mit ihnen zu arbeiten – und das, obwohl Maria Mukoviszidose hat.
 

Ein perfektes Ganzkörpertraining

Bei Mukoviszidose kann es zu Allergien und Infektionen kommen, die auch durch den Umgang mit Pferden ausgelöst werden können und die Krankheit verschlimmern. „Aber bei mir hat es sehr gut funktioniert“, erzählt Maria, „ich war von Anfang an im Austausch mit meinen Ärzten, die meinen Wunsch unterstützt haben. Und ich hatte durchs Reiten tatsächlich keine gesundheitlichen Nachteile – ganz im Gegenteil hat es mir sogar geholfen.“

Die Pferde waren und sind immer mein Leben und auch mein Grund morgens, aufzustehen und weiter zu kämpfen. Sie geben mir, körperlich sowie psychisch, die nötige Kraft, um gegen meine Erkrankung anzukämpfen. Maria

Das Reiten sei für Maria damals – und heute immer noch – ein perfektes Ganzkörpertraining, das sich ihrer Meinung nach sogar besonders für Mukoviszidose-Betroffene eigne: Es erhalte die Lungenfunktion und helfe, den zähen Schleim leichter abzuhusten. Mittlerweile ist Maria 22 Jahre alt, Pferde-Trainerin für Jung- und Korrektur-Pferde und hat eine eigene Pferdezucht.

Über Maria
Maria mit ihren Miniaturpferden

Maria mit ihren Miniaturpferden. 

Maria Schroeter ist begeisterter Pferde-Fan und hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Sie ist Trainerin für Jung- und Korrekturpferde, das bedeutet: Sie arbeitet mit solchen Tieren, die bisher nur wenig oder schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben – und mit deren Besitzern. Außerdem züchtet sie American Miniature Horses. Dadurch nehmen die Pferde einen Großteil von Marias Alltag ein, was sie sehr glücklich macht. 

Mehr von Maria gibt es auf Instagram unter @miniaturepferde.im.einsatz zu sehen.

Für fast alle CF-Betroffenen geeignet

Sie ist damit ein inspirierendes Beispiel dafür, wie gut sich ein Sport wie das Reiten mit einer Mukoviszidose-Erkrankung vereinen lässt – und damit keinesfalls allein. „Fast alle Mukoviszidose-Patienten können problemlos mit Pferden in Kontakt treten und auf ihnen reiten“, sagt Privatdozent Dr. Carsten Schwarz, renommierter Mukoviszidose-Experte am CF Zentrum Potsdam. 

„Von der Anatomie und der Muskulatur her haben sie alle die notwendigen Voraussetzungen.“ Insbesondere das Reiten an der frischen Luft sei meist problemlos möglich. „Man könnte vorher noch einmal explizit darüber mit dem Arzt sprechen und auf eine Pferdehaar-Allergie testen“, sagt er, „aber diese ist eher selten und damit nicht sehr wahrscheinlich.“
 

Vorsicht bei der Stallarbeit!

Anders sehe es allerdings bei der Pferde-Arbeit in Innenräumen, insbesondere in einem Stall, aus. „Im Stall gibt es Heu und damit Pilzsporen, die leicht Allergien auslösen können.“ CF-Patienten hätten eine hohe Allergiebereitschaft und könnten durch diese Risikofaktoren in einem Stall schnell eine allergische bronchopulmonale Aspergillose, also eine allergische Reaktion der Lunge, die durch Sporen des Pilzes Aspergillus fumigatus ausgelöst wird, bekommen, so der Experte. 

Daher sollten sie im Stall in jedem Fall eine Schutzmaske bei der Arbeit und Pferdepflege tragen, am besten aber grundsätzlich jede Stallarbeit vermeiden. „Denn diese ist eine große Belastung, auch für solche CF-Betroffene, die keine Allergie haben.“ Wenn man dies im Sinn behalte – wie es übrigens auch Maria tut, die in staubigen oder hygienisch bedenklichen Situationen im Stall einen Mundschutz trägt oder einfach an die frische Luft geht –, dann könne er den Pferdesport dennoch empfehlen, so PD Dr. Schwarz. 

„Ich persönlich glaube, dass der Kontakt zum Pferd extrem guttut“, sagt er: „Wer reitet, ist viel draußen, verbessert die Haltung und die Atmung. Außerdem löst sich durchs Reiten Sekret – und es hat sogar therapeutische Effekte. Eine Patientin von mir bekam dadurch eine andere Einstellung zu ihrer Mukoviszidose-Erkrankung. Das hat mich sehr beeindruckt.“ 

Wer reitet, ist viel draußen, verbessert die Haltung und die Atmung PD Dr. Schwarz
Drei Tipps von PD Dr. Schwarz
  1. Vor der ersten Reitstunde mit dem behandelnden Arzt darüber sprechen, dass man diesen Sport aufnehmen möchte. Eventuell einen Test auf Pferdehaarallergie machen lassen. 
  2. Bei den ersten Reitstunden gern noch in etwas intensiverem Kontakt mit dem Arzt bleiben. Möglicherweise Blut abnehmen lassen und auf weitere Allergene testen lassen. 
  3. Später alle drei Monate – also zu den sowieso vereinbarten Routine-Besuchen – gehen. Bei akuter gesundheitlicher Verschlechterung häufigere bzw. frühere Arztbesuche vereinbaren.